Coca Cola so süß wie BLUT
Beate Heinemann
Es schmeckt süß und läuft, am Besten eisgekühlt, prickelnd die Kehle herunter. Es verspricht Glück, Erfolg und vor allem Freiheit; die individuelle Freiheit, alles erreichen zu können; den amerikanischen Traum eben. Ein Blick hinter die Fassade und das Werbebild wird jäh zerrissen und das am meist getrunkene Getränk der Welt verätzt mir eher die Speiseröhre. Es geht um Verstöße gegen die Menschenrechte wie Verletzung von Gewerkschaftsrechten, Ausbeutung, Repression und die Ermordung von Arbeiterinnen und Arbeiter, Finanzierung von Militär und paramilitärischen Gruppen, Auftragsmorde, rassistische Diskriminierung, Kinderarbeit; Bestechung mächtiger Politikerinnen und Politiker sowie massive Umweltzerstörung wie u. a. auf den Internetseiten der AG Friedensforschung an der Uni in Kassel, indymedia und labournet zu finden ist.
Coca-Cola-Company → Kurzer Einblick in Geschichte und Struktur des Konzerns
Das Original „Coca-Cola“, welches im Jahr 1886 von John S. Pemberton in seinem Laboratorium der Jacob´s Pharmacy in Atlanta gemixt wurde. Ursprünglich mit Kokablätter und Kolanüsse als Heilmittel vorgesehen, entstand 1899 der beliebte Durstlöscher. Er wurde 1899 als fertiges Getränk abgefüllt und erlangte mit dem 2. Weltkrieg seinen internationalen Durchbruch. Nach dem Krieg wurden die in Übersee eingerichteten Abfüllstationen von einheimischen Unternehmen übernommen und nach dem bewährten Franchise-System weitergeführt. Das Unternehmen besitzt heute Tochterfirmen auf der ganzen Welt. Es folgte eine Erweiterung des Getränkesortiments (Bonaqua, Fanta, Sprite, Mezzo-Mix usw.). Coca-Cola ist mittlerweile in fast jedem Land erhältlich und wurde zu einem der rentabelsten Geschäfte der amerikanischen Getränkeindustrie. Täglich werden mehr als 1 Mrd. Coca-Cola-Getränke weltweit verbraucht. Dafür gibt der Konzern jährlich 1 Mrd. US-Dollar für Werbung aus. Da verwundert es nicht, dass „Coca-Cola“ nach „okay“ das bekannteste Wort der Erde ist. Weniger bekannt sind die weltweiten Verletzungen von Menschenrechten und Umweltzerstörung der Coca-Cola-Company. Der Coca-Cola-Konzern, der neben Mc Donald zu den bedeutendsten Symbolen des globalen Imperialismus zählt, verfolgt mit seinem System der so genannten Anker-Abfüllbetriebe eine bestimmte Strategie, um weltweit Produkte von Coca-Cola abzufüllen und zu verteilen. Das läuft immer nach gleichem Muster ab. Coca-Cola-Company eignet sich Abfüllbetriebe an, welche vorher unabhängig waren. Diese werden restruktiert und für einen höheren Preis an einen Anker-Abfüllbetrieb ihrer Wahl verkauft. Dabei behält Coca-Cola-Company die absolute Kontrolle über alle wichtigen strategischen und wirtschaftlichen Entscheidungen. Das Unternehmen besitzt je einen Aktienanteil an dem Anker-Abfüllbetrieb von zwischen 30 und 49 Prozent.
Menschenrechtsverletzungen der Coca-Cola-Company in Kolumbien
Hier hinterlässt der Konzern seine blutigste Spur. Das betrifft in diesem Zusammenhang auch Firmen wie Dole, Chiquita und Nestlé (siehe Jungle World 10.01.2008 „Ein Kaktus im Blumenfeld“). Der gewerkschaftliche Anspruch wird in Kolumbien mit Terrorismus gleichgesetzt und sofort zum Ziel der Paramilitärs. Die Zahlen sprechen für sich. Seit 1991 wurden 2.245 Morde, 3.400 Todesdrohungen und 138 gewaltsam verschleppte und verschwundene Gewerkschafter dokumentiert. Diese dort vorherrschende Situation macht sich die Coca-Cola-Company zu nutze, um Rechte von Arbeiterinnen und Arbeiter auszuhebeln sowie Mitglieder der Gewerkschaft Sinaltrainal (jeweils eigenständige Gewerkschaft in jedem Betrieb) durch das Paramilitär einschüchtern bzw. ermorden zu lassen sowie die Gewerkschaft zu zerschlagen. Dabei werden die Paramilitärs vom Konzern finanziell unterstützt. So ist z. B. Adolfo Munera, einer von acht Gewerkschaftern, der die Anstellung bei Coca-Cola nicht überlebte! Zwei Gewerkschafter sind bis heute verschwunden. Adolfo Munera setzte sich stark für die Rechte seiner Kolleginnen und Kollegen ein. Aufgrund seiner gewerkschaftlichen Tätigkeit wurde er nicht nur entlassen, sondern auch mehrfach aufgefordert, das Land zu verlassen. Nach massiven Drohungen ging er nach Venezuela. Als sich seiner Meinung nach die Lage wieder beruhigt hatte, kehrte er zurück und klagte gegen seine Entlassung beim Coca-Cola-Konzern. Er verlor den Prozess und ging in Berufung, da er sich in dem Prozess nicht verteidigen durfte. Daraufhin sollte das Verfahren wiederholt werden. Am 31.08.2002 wurde Adolfo Munera umgebracht. Am 20. Juli 2001 reichte die kolumbianische Gewerkschaft SINALTRAINAL Klage gegen den Coca-Cola-Konzern und seine Partner in Kolumbien, Panamerican Beverages und Bebidas y Alimentos, ein. Die Gewerkschaft erhielt Unterstützung der US-amerikanischen United Steel Workers of America und dem International Labor Rights Fund in Florida. In der Klage ging es um Mord, Entführung und Folter an Gewerkschaftsmitgliedern durch die paramilitärischen Einheiten als Agenten der o. g. Unternehmen.
Weitere Menschenrechtsverletzungen/Kinderarbeit
Auch in anderen Ländern, wie z.B. Nigeria, werden Arbeits- und Gewerkschaftsrechte ausgehebelt und verletzt. Auch gehören rassistische Diskriminierungen aus ideologischen und arbeitsbedingten Gründen zur Konzernpolitik von Coca-Cola. So wurde z. B. der Multi 2001 in den USA wegen der Diskriminierung von afroamerikanischen Arbeiterinnen und Arbeiter zur Zahlung von 192,5 Millionen Dollar verurteilt. Dies ist bis heute der bedeutungsschwerste Fall in den Vereinigten Staaten. Ein weiteres Beispiel für die Verletzung von Menschenrechten der Coca-Cola-Company betrifft die Kinderarbeit. Auf den Zuckerrohrplantagen (für Coca-Cola-Company) in El Salvador arbeiten zwischen mindestens 5.000 bis 30.000 Minderjährige. Viele sind zwischen 8 und 13 Jahren. Die medizinische Versorgung ist meist mangelhaft. Fast alle Kinder haben Narben und Schnittwunden aufgrund der Arbeit mit Macheten u. a. Arten von Messern.
Coca-Cola-Company und Umweltzerstörung
Hier hinterlässt die Coca-Cola-Company weltweit ihre Spuren. Indien: Durch Bestechung von Politikern gelang es der Coca-Cola-Company das Grundwasser massiv anzuzapfen und somit das dortige Wasserreservoir zu zerstören. Das heißt, der Wasserspiegel sank drastisch, was zur Wasserknappheit durch vertrocknete Brunnen, Zisternen und Flüssen führte. Weiterhin war die Coca-Cola-Company für die Verunreinigung des Nutzlandes der Bauern verantwortlich und verkaufte in Indien zudem auch noch Schlacke an Bäuerinnen und Bauern als Düngemittel. Aufgrund “Kommerziellen Vandalismus” wurde die Coca-Cola-Company zu einer Geldstrafe verurteilt. Dabei ging es um das Aufmalen einer gigantischen Werbeanzeige an einem ökologisch wertvollen Felsübergang im Himalaja. Doch der Konzern bezahlte die Geldstrafe nicht und trat somit nicht für eine Wiedergutmachung der irreversiblen Schäden ein. Chiapas (Mexiko): Hier wurden die umliegenden Ansiedlungen der Coca-Cola-Fabrik durch entwichenes Ammoniak in Mitleidenschaft gezogen. Panama: Verunreinigung der Bucht von Bahia. Mexiko: Die Coca-Cola-Company weigerte sich 1998, ihre industriellen Aktivitäten gemäß dem für Mexiko entwickelten Umweltschutzprogramm um mindestens 30% zu reduzieren.
Mögliche Konsequenzen
Doch, was tun, wenn ich fast ohnmächtig einem so großen einflussreichen und mächtigen Konzern gegenüberstehe? Verschiedene Aktionen sind auf den o. g. Internetseiten zu finden. Das alltägliche Zeichen, das ich setzen kann, ist der Boykott der Getränke der Coca-Cola-Company und der Konsum von alternativen Getränken. Es schmeckt süß und läuft am besten eisgekühlt die Kehle herunter. Vor allem, wenn die große Hitze die Eiswürfel beim Eingießen knacken lässt, lasse ich es mir bei Fritz-Cola, Afri-Cola, Sinalco oder Vita Cola gut gehen.
- BROWSE / IN TIMELINE
- « Vortrag: Werwölfe - Die gemeinsame Geschichte von Wolf und Mensch
- » Werewolf-Documentary gelaufen
- BROWSE / IN Allgemein
- « Seminarangebot: Zur Genese und Geltung des bürgerlichen Naturverständnisses
- » Vampirvorstellungen
SPEAK / ADD YOUR COMMENT
Comments are moderated.


Letzte Kommentare